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Bunte Ernte: Viele essbare Kräuter wachsen direkt bei uns vor der Haustür.

Kräuterwanderung

Schatzsuche mit allen Sinnen

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  • 19.06.2021
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Oft spazieren wir achtlos an ihnen vorbei. Dabei haben viele Wildkräuter bemerkenswerte Talente – einige sind das reinste Superfood! Wo und womit die Natur uns gerade besonders reich beschenkt, können Sie zum Beispiel auf einer Kräuterwanderung entdecken.

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Schätze der Natur: Viele leckere Blumen und Kräuter wachsen direkt bei uns vor der Haustür.

Die ganze Palette der Grüntöne, von sanftem Blassgrün bis zu tiefem Smaragdgrün, saftige Wiesen und reifendes Getreide, der Duft nach blühendem Leben: Wenn die Natur ihren üppigsten Teppich ausrollt, es überall brummt und summt, dann wachsen auch viele Wildkräuter in Hülle und Fülle. Als Kraut werden sie bezeichnet, weil sie im Gegensatz zu Bäumen und Sträuchern nicht verholzen. Sie sprießen, wo es ihnen gefällt, wild und ungehemmt – es sei denn, man verschmäht sie als Unkraut und rückt ihnen mit Hacke und Wurzelstecher zu Leibe.

Weißer Gänsefuß, Großer Wiesenknopf, Quendel, Schafgarbe und Mädesüß: Was klingt wie die Zutatenliste für ein Zauberelixier, ist nur ein winziger Teil dessen, was zurzeit auf Wiesen, an Bachläufen oder Weg- und Wald­rändern zu finden ist. Ein reich gedeckter Tisch – je nach Jahreszeit immer wieder anders. An die 1.500 Arten, schätzen Experten, sind bei uns heimisch. „Vermutlich sogar noch mehr“, sagt Kräuter­pädagogin Ulrike Armbruster aus dem Schwarzwald. Im Kinzigtal bewirtschaftet sie einen Hof mit großem Bauerngarten und gibt Kräuterkurse.

Bei der Kräuterwanderung kommen alle Sinne zum Einsatz: Wir sehen genau hin, betasten, riechen und probieren.“

Ulrike Armbruster

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Wildkräuter fester Bestandteil unserer Ernährung. Dass Grünzeug aus der freien Natur jetzt ein Comeback als regionales und saisonales Superfood erlebt, verdankt es vor allem seinen inneren Werten. Denn viele Wildkräuter strotzen nur so vor Vitalstoffen. „Wussten Sie zum Beispiel“, so Ulrike Armbruster, „dass 100 Gramm Brennnessel rund 330 Milligramm Vitamin C enthalten, während in der gleichen Menge Kopfsalat gerade mal 13 Milligramm stecken?“

Doch Achtung, nicht jede Fundstelle ist auch eine gute Pflückstelle. „Auf jeden Fall meiden sollte man beliebte Gassi-Routen“, empfiehlt Usch von der Winden, Kräuterexpertin aus Sauerthal. Gleiches gelte für stark gedüngte Flächen. Die erkennt man häufig schon von Weitem, weil sie übersät sind mit gelben Löwenzahnblüten.

Am allerwichtigsten: „Sammeln Sie immer nur Pflanzen, die Sie absolut sicher identifizieren können“, so Gärtnerin und Kräuterfachfrau Iris Franzen aus dem Westerwald. Bei Brennnessel und Gänseblümchen dürfte das leichtfallen. „Auch den am Boden kriechenden Gundermann mit seinen blauen Lippen­blüten und dem thymian- und minz­ähnlichen Geruch können Anfänger gut erkennen."

Meiden Sie beim Kräutersammeln stark gedüngte Flächen – die erkennen Sie häufig am Löwenzahn.“

Usch von der Winden

Die jungen, zarte Blätter der Schaf­garbe bringen Würze in Salate, Gemüsegerichte und Brotaufstriche.

Brennnesseln enthalten sehr viel Vitamin C: 330 Milligramm davon stecken in 100 Gramm der Blätter.

Mädesüß verleiht Speisen und Getränken ein süßes Aroma. Die Pflanze hilft außerdem gegen Fieber und Schmerzen – dank natürlicher Salicylsäure.

Die Wurzeln der Wilden Möhre sind, ähnlich wie bei ihrer kultivierten Verwandten, essbar. Auch die Blüten und Blätter sind dekorativ und lecker.

Die Blätter, Samen und Blütenstände des Weißen Gänsefuß lassen sich vielseitig zubereiten.

Vorsicht geboten sei generell bei sogenannten weißen Doldenblütlern. Zu dieser Familie gehören neben schmackhaften Wildkräutern wie Wilde Möhre, Giersch oder Wiesenkerbel auch äußerst giftige Doppelgänger wie der gefleckte Schierling. Schon eine geringe Menge davon ist tödlich. Auf Nummer sicher gehen Sie daher bei einer geführten Kräuterwanderung. „Dabei kommen alle Sinne zum Einsatz: Wir sehen genau hin, betasten, riechen und einiges probieren wir auch“, sagt Iris Franzen.

Bei Ulrike Armbruster und Usch von der Winden darf man sich im Anschluss auf Kostproben oder gemeinsames Kochen mit den Schätzen aus der Natur freuen. Lecker, lehrreich und immer wieder spannend – so macht ein Streifzug durchs Grüne noch mehr Spaß!

Zucchini-Röllchen mit frischer Schafgarbe

Sie brauchen:
Eine mittelgroße Zucchini
8 Scheiben Käse
8 Scheiben gekochter Schinken
Eine Handvoll junge Schafgarbe-Blättchen
500 g gewürfelte Tomaten
Salz, Pfeffer

Die Zucchini in 8 dünne Scheiben schneiden, jede Scheibe mit Käse und Schinken belegen und die Schafgarbe-Blättchen darauf verteilen, aufrollen und mit einem Zahnstocher fixieren.
Die gewürfelten Tomaten in eine Auflaufform geben und mit Salz und Pfeffer würzen. Die Zucchini-Röllchen in die Tomatensoße stellen, im vorgeheizten Backofen bei 200°C für 45 Minuten backen. Mit Schafgarben-Blätter garnieren. Dazu passt als Beilage Reis oder Salzkartoffel.

 

Sammeln Sie immer nur Pflanzen, die Sie absolut sicher identifizieren können, so wie Brennnesseln oder Gundermann.“

Iris Franzen

Kräuterführungen in Ihrer Region

Ulrike Armbruster

Adresse Obertal 5, 77791 Berghaupten
Kontakt Tel. 07803 601111, Ulrike@Armbruster-Berghaupten.de
www.armbruster-berghaupten.de

Iris Franzen

Adresse Am Schorrberg 17, 56470 Bad Marienberg
Kontakt Tel. 02661 3651 und 0177 2558892, immergruen-franzen@gmx.de
www.wildkraeuter-westerwald.de

Usch von der Winden

Adresse Tiefenbachstraße 7, 65391 Sauerthal
Kontakt Tel. 06726 8396920, mail@schlaraffen-traeume.de
www.schlaraffen-traeume.de

Foto: privat, sonstige Motive unter Lizenz von Shutterstock.com

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