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Sammlerfreude: Im Wald nach Pilzen zu suchen vereint Entschleunigung und Bewegung an der frischen Luft.

Pilze sammeln

Ab ins Körbchen!

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  • 19.09.2020
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Sammlerfreude: Im Wald nach Pilzen zu suchen vereint Entschleunigung und Bewegung an der frischen Luft.

Das Gute liegt oft viel näher als man denkt – vor allem im Wald. Bei der Pilzsuche können Sie wunderbar entschleunigen – und tolle Erfolgserlebnisse sammeln. Wie Sie fündig werden, lernen Sie zum Beispiel auf einer Pilzwanderung. Wir verraten Ihnen, wo.

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Sammlerfreude: Im Wald nach Pilzen zu suchen vereint Entschleunigung und Bewegung an der frischen Luft.

Es riecht nach feuchtem Moos und frischer Erde, holzig und modrig zugleich. Trockenes Laub raschelt und knistert unter jedem Schritt, hier und da schieben sich Sonnenstrahlen durch das lichter werdende Blätterdach. Wenn die Tage wieder kürzer werden, verändert auch der Wald sein Gewand. Die Hauptsaison für Pilzsammler beginnt – vorausgesetzt, der Boden ist nicht knochentrocken. Andernfalls gibt es kaum etwas zu sammeln, denn Pilze mögen es nicht nur kühl und schattig, sondern auch schön feucht.

Die nächsten Verwandten der Pilze sind nicht etwa die Pflanzen, sondern die Tiere.

Mehr als 6.000 Großpilze, also Pilze, deren Fruchtkörper mit bloßem Auge gut erkennbar sind, wachsen und gedeihen in Deutschland, schätzen Experten. Rund 120 Arten sind essbar. „Relativ einfach identifizieren lassen sich die Röhrlinge, dazu zählt unter anderem der beliebte Steinpilz“, erzählt Professor Dr. Manfred Krautter, Pilzsachverständiger und Naturparkführer im schwäbisch-fränkischen Wald. Ihren Namen verdankt die Gattung der Tatsache, dass auf der Unterseite des Pilzhutes das Gewebe in feinen Röhren verläuft statt in Lamellen wie beim Champignon oder Pfifferling. Weil es unter den Röhrlingen nur wenige giftige Arten gibt, sind sie optimal für Sammelanfänger.

Manfred Krautter, Pilzsachverständiger und Naturparkführer

Ebenfalls gut zu wissen, falls Sie noch keine oder nur wenige Erfahrungen beim Aufspüren der essbaren Leckerbissen haben: Einige Pilze stehen bestimmten Baumarten sehr nah – buchstäblich. Sie verbinden sich unterirdisch mit den Baumwurzeln und bilden so eine Lebensgemeinschaft mit den grünen Riesen. Während beispielsweise der Birkenpilz, wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, in der Nähe von Birken zu finden ist, schätzen Steinpilze vor allem die Gesellschaft von Eichen. Mit ihnen gehen auch Pfifferlinge liebend gern Symbiosen ein. Der delikate Speisepilz bandelt außerdem mit Fichten, Kiefern und Tannen an.

Rentiere fressen liebend gern Fliegenpilze – und sind danach ganz berauscht.

Der Birkenröhrling trägt einen Hinweis auf seinen Fundort schon im Namen – er steht am liebsten unter Birken.

Bunte Warnfarben trägt der giftige Fliegenpilz – ihn sollte man definitiv nicht sammeln oder essen.

Gut getarnt: Der Steinpilz ist eher schwer zu finden, aber ein besonders köstlicher Fund. 

Es lohnt sich also, nicht nur den Blick auf die Erde zu richten, sondern auch eine Etage höher. „Stehen lassen sollten Sie in jedem Fall Pilze, die zu alt oder matschig sind“, empfiehlt der passionierte Pilzliebhaber. Oft sind diese Fungi von Maden befallen. Die goldene Regel schlechthin, ob Neuling oder Kenner: Sie sollten nur solche Exemplare abschneiden und einpacken, die Sie zu 100 Prozent identifizieren können. „Denn manche Speisepilze sehen einigen Giftpilzen zum Verwechseln ähnlich“, warnt Manfred Krautter. Nachschlagewerke und Apps seien sicherlich ein guter Anfang, um sich schlau zu machen, so der Experte. Allein auf sie verlassen sollte man sich jedoch nicht. „Anfänger sind grundsätzlich gut beraten, ihre Fundstücke bei einer Pilzberatungsstelle sichten zu lassen.“ Oder sie schließen sich einer Pilzwanderung mit einem zertifizierten Experten an. Großartiges Naturerlebnis für kleines Geld – und mit etwas Glück haben Sie danach schon Ihr Abendessen ­zusammen

Das größte Lebewesen der Welt ist ein Pilz.

Testen Sie Ihr Pilz-Wissen

Quiz starten

Welche Pilzart erkennt man schon von Weitem an einem roten Hut mit weißen Punkten?

Steinpilz
Pfifferling
Fliegenpilz

Was ist der beste Zeitpunkt, um einen Pilz zweifelsfrei als essbar zu identifizieren?

Beim Braten in der Pfanne
Nach dem Sammeln in der Küche
Im Wald, schon vor dem Abschneiden

Wo können Anfänger ihre Fundstücke auf giftige Pilze prüfen lassen?

bei einer Pilzberatungsstelle
beim Förster
mit der Bildersuche im Internet

Ergebnis

Herzlichen Glückwunsch!
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Ihre Experten für die Pilzsuche in der Region:

Pilzexperten im schwäbisch-fränkischen Wald

Pilzberatungen vom 30. August bis 1. November 2020 von 16–18 Uhr
Wanderungen witterungsabhängig voraussichtlich ab September, Termine werden kurzfristig online veröffentlicht
Ausstellung „Pilze des Schwäbischen Waldes 2020“ in der Schwalbenflughalle in Großerlach-Grab am 10. und 11. Oktober 2020

www.murrhardt.de
www.die-naturparkfuehrer.de

Pilzwanderungen im Rhein-Main-Gebiet

Pilzwanderungen im Frankfurter Stadtwald, nächster Termin am 3. Oktober 2020, 10 Uhr und 14 Uhr (witterungsbedingt). Treffpunkt ist am Hainer Weg, Teilnahmegebühr 15 Euro
Individuelle Pilzführungen mit Pilzexperte Dieter Gewalt, Anmeldung über die Fundkorb-Website, Teilnahmegebühr 7 Euro
Kostenlose Pilzberatung im Frankfurter Gesundheitsamt, jeweils sonntags 17–20 Uhr

frankfurter-stadtevents.de
fundkorb.de

Geführte Pilzwanderungen im Westerwald

Die Wanderungen mit Pilzwanderführer Edmund Plag finden witterungsabhängig ab ­September statt. Eine Termininfo gibt es kurzfristig beim Touristikverband Wiedtal e. V. und bei der Tourist-Information Waldbreitbach. Maximale Gruppengröße: 15 Teilnehmer
Dauer der Exkursion: ca. 3–3,5 Stunden
Teilnehmergebühr: Erwachsene 8 Euro, Kinder (10–15 Jahre) 3 Euro

wiedttal.de
Anmeldung direkt über edmundplag@remove-this.delta-eddy.de

Fotos: BLV Buchverlag, encierro/Shutterstock, pikselstock/Shutterstock, privat

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