INTERNET

Sauber surfen

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  • 03.12.2021
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Weil die Menschen immer häufiger online sind und immer größere Datenmengen abrufen, wächst der Energiehunger des Internets. Wofür am meisten Strom benötigt wird – und wie die Süwag dazu beiträgt, das Internet grüner zu machen.

Je ungemütlicher es draußen wird, desto gemütlicher wird es auf der Couch. Anbieter wie Netflix, über die man jederzeit das gewünschte Programm aus dem Internet abrufen kann, erhöhen den Komfort zusätzlich. Doch diese Flexibilität hat ihren Preis – auch fürs Klima: Video-Streaming verursacht den Löwenanteil des Stromverbrauchs des Internets. Wie viel genau, hängt im Einzelfall unter anderem von der Bildauflösung, vom Endgerät und vom Netz ab. Schätzungen aus dem Jahr 2019 beziffern den weltweiten ­Streaming-Strombedarf auf 200 Milliarden ­Kilowattstunden Strom im Jahr – das ist in etwa so viel, wie alle Privathaushalte in Deutschland, Italien und ­Polen gemeinsam verbrauchen.

Zurückführen lässt sich der Energie­hunger auf die Rechenzentren rund um den Globus, die quasi das Herz des Internets bilden. Auf Zigtausenden Servern werden Daten gespeichert und Anfragen verarbeitet, die Internetnutzer beispielsweise an Suchmaschinen stellen. Strom brauchen Rechenzentren natürlich, um überhaupt arbeiten zu können. Darüber hinaus ist viel Energie nötig, um die ­Server abzukühlen, die im permanenten Betrieb heißlaufen. Zusätzlichen Strom verbrauchen Sicherheits-, Überwachungs- und Brandschutzsysteme.

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Prozent des weltweiten Stromverbrauchs gingen 2019 auf das Konto des Internets. Bis 2025 könnten es bereits 20 Prozent sein.

Zwar sind Rechenzentren in den vergangenen Jahrzehnten immer effizienter geworden – Google beispielsweise erzeugt mit der gleichen Menge Strom heute eine siebenmal höhere Rechenleistung als noch vor fünf Jahren. Doch zugleich wächst der Bedarf an Speicher- und Rechenleistung so stark, dass der Energiebedarf des Internets weiter zunimmt: Allein in Deutschland stieg der Verbrauch von Servern und Rechenzentren laut einer Untersuchung des Instituts Borderstep von rund 10 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2010 auf 16 Milliarden im Jahr 2020 – deutlich mehr, als ganz Berlin in einem Jahr verbraucht. Weitere Verbrauchssprünge erwarten Experten durch technische Entwicklungen wie die vernetzte Mobilität: ­Künftige Autos etwa werden mittels ­leistungsstarker Übertragungsstandards wie 5G riesige Mengen an Sensordaten verschicken.

Mit Blick auf das Klima ist es angesichts dieser Entwicklung entscheidend, den Strombedarf des Internets vermehrt mit regenerativer Energie zu decken. Dazu trägt auch die Süwag bei. Zu ihrem Einzugsgebiet gehört die Region Frankfurt, die den weltgrößten Internetknotenpunkt DE-CIX und mehr als 60 Rechenzentren beherbergt. Mit einem der dort ansässigen Data-Center-Betreiber hat die Süwag im August den mit Abstand größten Grünstrom-Vertrag der Unternehmensgeschichte geschlossen: „Verteilt auf drei Jahre beschaffen wir für diesen Kunden Grünstromzertifikate im Volumen von mehr als einer Milliarde Kilowattstunden“, erklärt Mario Beck, Vertriebsgeschäftsführer der Süwag. „Das entspricht dem Jahresverbrauch von mehr als 100.000 Haushalten.“

Die Zertifikate garantieren, dass diese gewaltige Menge Grünstrom tatsächlich in Europa hergestellt und eingespeist wird. Sie bedeuten noch nicht, dass genau dieser Strom tatsächlich bei besagten Rechenzentren ankommt – das wäre bislang mit regenerativer Energie aus Deutschland nicht zu machen. In kleineren Umfängen ist dies aber durchaus möglich, erklärt Beck: „Zu unseren nächsten Schritten gehören Green ­Power Purchase Agreements (PPA), also Verträge für den unmittelbaren Bezug aus regenerativen Anlagen.“

Abgesehen davon, dass der Energie­versorger mehrere Betreiber von Data-Centern sowie viele Haushalte – die fast immer auch Internetnutzer sind – mit Ökostrom beliefert, will das Unternehmen selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

Mario Beck Vertriebsgeschäftsführer der Süwag

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Minuten täglich verbringen die Deutschen durchschnittlich im Internet.

In Hofheim plant die Süwag ein hocheffizientes Rechenzentrum. Dabei sollen nicht nur die Server energiesparend arbeiten; mit der entstehenden ­Abwärme will die Süwag zudem die Bevölkerung eines geplanten Neubaugebiets in der Nachbarschaft nachhaltig mit Wärme versorgen.

„Wenn es darum geht, das Internet grüner zu machen, spielen neben uns als Süwag Vertrieb auch die Netzbetreiber eine wichtige Rolle“, sagt Beck. Denn Internet-Hochburgen wie beispielsweise Frankfurt benötigen immer leistungsstärkere Netze. Außerdem braucht es neue Leitungen, um saubere Offshore-Windenergie vom Norden in den Süden zu transportieren.

Bis das Internet rundum grün ist, dürfte es also noch eine Weile dauern. Dennoch kann sich die Online-Klimabilanz bereits heute sehen lassen, wenn man sie mit der Offline-Welt vergleicht: Videokonferenzen, Online-Recherchen oder E-Mails etwa machen viele Fahrten oder gar Flüge überflüssig, die mehr CO2 verursacht hätten – auch die einst sehr häufigen Ausflüge zur Videothek.

Umweltfreundlich im Internet: 5 Tipps

  • Bewusster streamen: Videos oder Musik über das Internet abzuspielen, verbraucht jedes Mal Energie. Deshalb: Schalten Sie die Autoplay-Funktion bei YouTube, Instagram und Co. aus, damit solche Inhalte nicht automatisch starten. Und was Sie immer wieder nutzen möchten, laden Sie sich am besten herunter.
     
  • E-Mails löschen: 
Hand aufs Herz, wann haben Sie zuletzt den Papierkorb Ihres E-Mail-Postfachs geleert? Der Umwelt zuliebe sollten Sie Überflüssiges regelmäßig aussortieren. Das macht Festplattenkapazitäten auf den Servern der Anbieter frei und spart so CO2.
     
  • Weniger googlen: Jede Suchanfrage im Internet kostet Strom und schadet der Umwelt. Googlen Sie also nicht wie wild drauf los, sondern suchen Sie gezielt. Übrigens: Nachhaltige Google-Alternativen wie Ecosia oder Qwant betreiben ihre Server nach eigenen Angaben mit Ökostrom – und versprechen oft auch mehr Privatsphäre.
     
  • Cloud-Dienste ausmisten: Cloud-Dienste sind praktisch, aber auch energieintensiv. Fotos und Videos, auf die Sie nicht ständig von überall zugreifen müssen, speichern Sie daher besser auf Speichermedien wie einer externen Festplatte.
     
  • Sparsame Geräte nutzen: Große Endgeräte mit großen Bildschirmen verbrauchen in der Regel mehr Strom als kleine, ein neuer Router mehr als ein altes Modell. Wenn ohnehin der Kauf neuer Technik ansteht: Achten Sie deshalb auch auf den Energieverbrauch.

Fotos: simona pilolla 2/Shutterstock.com, Cyrus One, Süwag

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