NETZKOMMUNIKATION

„Auch im Krisenfall erreichbar“

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  • 24.03.2023
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Die Energiewende gelingt nur mit vernetzten und digitalisierten Stromnetzen. Sie stabil zu halten – dabei soll ein neues Mobilfunknetz helfen. Die Süwag beteiligt sich am Aufbau.

Gut 591 Meter hoch ist die Hohe Kanzel bei Niedernhausen. Seit einiger Zeit trägt der dortige Süwag-Funkmast drei weitere Antennen. Der Grund: Der Berg im Taunus ist Ausgangspunkt für ein deutschlandweites Funknetz, das 450-MHz-Netz. Es soll dazu beitragen, dass Betreibern kritischer Infrastrukturen künftig ein besonders sicheres Mobilfunknetz zur Verfügung steht. Zunächst geht es dabei um Energieversorger. Später sollen auch Krankenhäuser und weitere wichtige Industriezweige ankoppeln.

Neu ist die 450-MHz-Frequenz nicht. Als C-Netz wurde sie früher etwa für Autotelefone genutzt. Vor einigen Jahren lief die Lizenz ab, nun hat die Bundesnetz­agentur sie neu vergeben: an einen Verbund von Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft. Auch die Süwag gehört dazu. Nötig ist das Projekt, weil immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen in die Netze gespeist wird. Die vielen dezentralen Erzeugungsanlagen und wetterbedingten Schwankungen machen ihre Steuerung immer komplexer. „Um Versorgungssicherheit zu garantieren, müssen wir die Netze jederzeit beobachten und in sie eingreifen können“, sagt Marcel Meunier, Leiter Digitale Netzinfrastruktur bei der Süwag.

1.600

Funkstandorte sind für den Ausbau des 450-MHz-Netzes in ganz Deutschland vorgesehen.

Das leistungsfähige Mobilfunknetz ermöglicht die reibungslose Kommunikation zwischen Anlagen und Personen, sogar dann, wenn der Strom ausfällt. „Das 450-MHz-Netz funktioniert bis zu 72 Stunden weiter. Diese Eigenschaft bezeichnen wir als schwarzfallfest“, erklärt Meunier. „So sind unsere Anlagen im Krisenfall weiter erreichbar. Und auch unsere Techniker, die unterwegs sind, um den Schaden im Stromnetz zu reparieren.“ Öffentliche Telefonnetze dagegen fallen schon nach wenigen Stunden aus.

Deutschlandweit sind für den Ausbau des 450-MHz-Netzes 1.600 Funkstandorte vorgesehen. Im Südwesten ist der Mast auf der Hohen Kanzel der Ausgangspunkt. Ausgehend davon bindet die Süwag weitere Masten per Richtfunk an. In rund 1,5 Jahren soll alles fertig sein.

Drei Fragen zur 450 MHz-Frequenz an...

… Marcel Meunier, Leiter Digitale Netzinfrastruktur bei der Süwag

Herr Meunier, wird das neue Mobilfunknetz nur als Backup bei Stromausfällen genutzt?
Nein, wir setzen es auch im Regelbetrieb ein. So stellen wir sicher, dass es im Krisenfall einsatzbereit ist und wir es bedienen können.

Muss die Süwag jetzt viele neue Funkmasten aufstellen?
Bis auf zwei Masten nutzen wir im Süwag-Gebiet ausschließlich bestehende Anlagen. Die 450 MHz-Frequenz hat zudem den Vorteil, dass sie recht weit ausstrahlt. Dadurch lässt sich mit nur einem Funksender eine große Fläche abdecken und man braucht nicht so viele Masten.

Geht das Funknetz in ganz Deutschland gleichzeitig in Betrieb?
Sobald die Masten eines bestimmten Gebiets verbunden sind, wird der Mobilfunk dort  freigeschaltet. In ersten Regionen ist es in diesem Jahr soweit , auch die Süwag bringt dann ein Teilgebiet ins Netz. Dafür binden wir ausgehend vom Funkmast auf der Hohen Kanzel ab Mai weitere Masten ins System ein. 2025 soll das Funknetz bundesweit fertig sein.

Marcel Meunier

Süwag-Experte

Fotos: Süwag

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