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Jan-Malte Strijeks Kunst soll den Betrachter berühren: egal ob sie ihm auf einer Leinwand oder an einem Gebäude begegnet.

STREET-ART

Große Kunst

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  • 03.12.2021
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Jan-Malte Strijeks Kunst soll den Betrachter berühren: egal ob sie ihm auf einer Leinwand oder an einem Gebäude begegnet.

Jan-Malte Strijek sprüht vor Kreativität. Die größte Leinwand des Frankfurter Graffiti- und Street-Art-Künstlers ist der öffentliche Raum. Seine Werke schmücken Häuser und Hallen genauso wie Brücken und Bahnhöfe.

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Jan-Malte Strijeks Kunst soll den Betrachter berühren: egal ob sie ihm auf einer Leinwand oder an einem Gebäude begegnet.

Schnell und gleichmäßig bewegt Jan-Malte Strijek die Sprühdose mit der weißen Acrylfarbe über die Leinwand. Feine Linien und Konturen entstehen, die Umrisse einer Frau zeichnen sich ab. „Freedom is a shy bird” heißt das Werk, das in seinem Atelier im Frankfurter Ostend langsam Form annimmt. Der scheue Vogel Freiheit, dem von vielen Seiten Gefahr droht: ein Leitmotiv, mit dem sich der Künstler in zahlreichen seiner Werke auseinandersetzt. „Wir haben großes Glück, so frei leben zu können“, sagt er, während er mit einem Pinsel etwas Farbe aufnimmt. Wenige sorgfältige Striche – und das skizzierte Frauengesicht bekommt erkennbare Züge.

Jan-Malte Strijek arbeitet sowohl mit Sprühlack als auch mit Acrylfarbe, seine Werkzeuge sind Dose, Airbrush und Pinsel. Der buchstäblich größte Teil seiner Kunst ist jedoch nicht auf Leinwand gebannt. Vielmehr schmücken die im Auftrag entstandenen Bilder Gebäude, Brücken und Unterführungen, bringen Farbe und Leben auf graue Fassaden. Fantastische Wesen tummeln sich da, Blumen sprießen und formieren sich zu abstrakten Landschaften. Andernorts stehen riesige menschliche Gesichter im Mittelpunkt einer spektakulär bunten Szenerie. Neun Meter hoch und 50 Meter lang ist das größte Wandbild des Sprayers und Street-Art-Künstlers: ein monumentales Zeugnis seiner Kreativität auf der Fassade des Sportzentrums in Eschborn, nordwestlich von Frankfurt. Noch ganz frisch ist die Gestaltung der Trafostation in unmittelbarer Nähe des Bad Homburger Kurparks. Der Auftrag stammt von der Süwag-Netztochter Syna. Das Motiv, ein antiker Tempel mit Brunnen und gläserner Kuppel, hat Jan-Malte Strijek so gewählt, dass es sich harmonisch in seine Umgebung einfügt. Eine optische Täuschung macht es zu einem besonderen Hingucker: Blickt man frontal auf den detailreich gestalteten Tempeleingang, sieht es so aus, als könne man hineingehen.

Kunst ist zunächst einmal Kopfarbeit.“

Jan-Malte Strijek
Künstler

Gemalt habe er schon als kleiner Junge viel und gern, so der heute 45-Jährige. Und auch für Graffiti konnte er sich früh begeistern. „Da gab es diese riesigen Comicfiguren unter einer der Nidda-Brücken in Frankfurt. Wahnsinn!“, dachte ich damals als Kind, „wie kriegt man sowas nur hin?“ Einige Jahre später probiert er es selbst aus. Sein Schulhof in Rödelheim wird zum ersten Experimentierraum – ganz legal, dank eines sehr toleranten Hausmeisters und Schulleiters. Schon damals hat Jan-Malte Strijek ein Händchen für comicartige Figuren, aber auch das Style-Writing reizt ihn: die ästhetische Ausgestaltung und Verbreitung seines Sprayer-Pseudonyms Honsar. Jeder Buchstabe ein kleines Kunstwerk für sich – zusammen ein Meisterstück mit hohem Wiedererkennungswert. Mit der Zeit wird sein Schriftzug immer figürlicher und ausdifferenzierter. Heute wachsen aus den sechs Buchstaben Wurzeln oder andere organische Strukturen und verschmelzen miteinander.

Seit 2008 widmet sich Jan-Malte Strijek voll und ganz der Kunst. Davor studierte er VWL und Politik. Sein Studium schloss er mit Diplom und Prädikat ab, anschließend arbeitete er einige Jahre in der Entwicklungshilfe. Erfahrungen, die seine Bilder ebenso prägen wie das Umfeld, in das sie integriert werden. „Kunst ist zunächst einmal Kopfarbeit.“

Deshalb beginnt jeder Auftrag mit einer Ortsbegehung und der intensiven Auseinandersetzung mit der Frage: „Wo und wie kann ich hier am besten anknüpfen? Das ist die Basis für meine Ideenentwicklung.“ Die Skizzen entstehen dann am heimischen Schreibtisch – mit der Hand und zugleich am PC: Was der Künstler auf seinem digitalen Block entwirft, überträgt die Technik 1:1 auf den Bildschirm. Das Motiv reifen zu lassen und zu verändern, ist auf diese Weise ein Leichtes. Das letzte Wort haben seine Auftraggeber. „Bisher habe ich stets ­einen großen Vertrauensvorschuss genossen. Noch nie musste ich mich verbiegen.“ Immer gleich und oft geübtes Ritual: „Bevor ich auch nur eine Dose zur Hand nehme, durchdenke ich das Bild ganz genau. Das heißt, ich exerziere im Geiste durch, wie ich jede Linie setze. Das kann locker eine halbe Stunde dauern.“ Kleine Motive sprüht und malt der Frankfurter freihändig. Die eine Hand hält die Skizze, die andere das Werkzeug. Bei Wandbildern, die mehrere Quadratmeter umfassen, arbeitet er mit einem Raster. Gegliedert in gleichgroße Rechtecke wächst das Werk dann Stück für Stück.

Kreativer Kopf: Jan-Malte Strijek arbeitet sowohl mit Sprühlack als auch mit Acrylfarbe.

Work in progress: Allmählich wird die Wand einer Trafostation in ein echtes Kunstwerk verwandelt.

Blick ins Grüne: Das Bild fügt sich harmonisch in seine Umgebung ein.

Fantasievoll und farbenfroh: Der Künstler bemalt nicht nur Gebäude und Brücken, sondern auch Leinwände.

Von figürlich bis abstrakt: Die Werke Strijeks sind vielfältig.

Werkzeuge der ersten Stunde: Mit Bleistift fertigt der Künstler oftmals erst Skizzen für seine geplanten Bilder.

„Bevor ich eine Dose zur Hand nehme, durchdenke ich das Bild ganz genau“, sagt Jan-Malte Strijek.

Jan-Malte Strijek ist aber nicht nur mit Kunst am Bau oder dem Gestalten auf Leinwand beschäftigt. Mindestens einmal im Jahr veranstaltet er Workshops für Kinder und Jugendliche. Außerdem unterstützt er Schülerkunstprojekte. Ein besonders eindrückliches Projekt war für den Frankfurter die Gestaltung des interkulturellen Spielplatzes in Linden, einem Stadtteil von Hannover. Im zentralen Motiv des Wandbildes, einer Linde, konnte jedes Kind ein Stück Wurzelwerk selbst gestalten. Schließlich, so die Idee, sind auch sie ein wichtiger Teil des Ortes, an dem sie aufwachsen. „Mit diesem Engagement der Gesellschaft etwas zurückzugeben, ist mir eine Herzens­angelegenheit.“

Wie viele Werke der Künstler bisher geschaffen und damit den Betrachtenden etwas gegeben hat, vermag er kaum zu überblicken. „Tatsächlich zähle ich nicht mit, da bin ich uneitel“, so Jan-Malte Strijek. Viel wichtiger sei ihm, dass seine Kunst möglichst viele verschiedene Menschen erreiche – vor allem im übertragenen Sinn. Das schönste Kompliment für ihn: „Wenn ich merke: Meine Bilder berühren – sogar im Vorbeigehen.“ Wie neulich, als ihn jemand minutenlang beim Gestalten einer Wand beobachtet, und schließlich zuruft: „Das rockt!“

Gekratzt, gemalt, gesprüht

Zeichen, Schriftzüge oder Bilder – sie alle können ein Graffito sein: Graffiti, so der italienische Plural, ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Techniken und Ausdrucksformen. Zu den ältesten gehören Kratzbilder. Bereits im alten Ägypten waren in Tempeln, auf Gräbern und Statuen gekratzte Inschriften zu finden. Die heutigen Graffiti sind vor allem von der amerikanischen Hip-Hop-Kultur beeinflusst. Ab Mitte der 1980er schwappte das Phänomen nach Europa hinüber. Am weitesten verbreitet ist mittlerweile das sogenannte Style-Writing: Graffiti, die in der Regel aus Buchstabenfolgen bestehen. Sind Abbildungen besonders bildstark und opulent, spricht man eher von Street-Art. In immer mehr Städten gehören Graffiti und Street-Art zum Straßenbild – nicht nur unerlaubt und anonym Gespraytes, sondern auch Kunst im Auftrag. Die Stadt München stellte 2015 sogar als erste deutsche Kommune einen Graffiti-Beauftragten ein.

„Für eine bunte Welt“

Sind Sie auch schon einmal vor einer bemalten Hausfassade oder einem besprühten Stromkasten stehengeblieben und haben kurz innegehalten? Kunst, die uns im Vorbeigehen begegnet, hat für mich etwas ganz Besonderes: weil sie unmittelbar wirkt und unseren Alltag unverhofft bunter macht.

Nicht nur mir zaubert Street-Art oft ein Lächeln ins Gesicht. Auch meine Kollegen bei der Süwag freuen sich darüber – und sie schätzen die Menschen dahinter: Menschen wie Jan-Malte Strijek, die mit ihrem Tun dazu beitragen, dass unsere Heimat schöner und lebenswerter wird. Denn genau das ist auch unser Ziel.

Zwar hantiert das Süwag-Team selten mit Airbrush und Pinsel. Doch wir möchten mit unserem Engagement im übertragenen Sinn Farbe in die Region bringen. Seit vielen Jahren schon fördern wir deshalb auf vielfältige Weise zahlreiche lokale Vereine, Veranstaltungen und Projekte. Ob Kunst, Sport oder Musik: Uns liegt alles am Herzen, das Menschen verbindet und ihr Leben reicher macht. Auch Genussmomente gehören für uns selbstverständlich dazu. Für Sie auch? Dann probieren Sie doch mal unser Gutschein-Programm und lassen Sie sich Ihre Heimat schmecken!

Damit wir alle auch in Zukunft das Leben genießen können, ist eines ganz besonders wichtig: Wir müssen sorgsam mit unserer Umwelt und ihren begrenzten Ressourcen umgehen. Neben dem sozialen und kulturellen Engagement spielt der Einsatz für Natur und Klima eine tragende Rolle für uns. Hier sehen wir uns als Energieversorger in einer besonderen Verantwortung. Tag für Tag setzen wir uns daher für nachhaltige Lösungen ein – für den Klimaschutz und für unsere Heimat.

Ein schönes Beispiel dafür sind unsere QuartierKraftwerke, die Wohngebiete effizient mit Strom und Wärme versorgen. Oder unsere Regionalstromprojekte, die regenerative Energie zu den ­Menschen vor Ort bringen. Unsere Lieblingsfarbe – Sie können es sich denken – ist grün.

 

Was macht Ihr Leben bunter? Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Geschichten und Ideen für eine schöne Heimat mit uns teilen: kundenmagazin@remove-this.suewag.de

Sven Grußbach, verantwortlich für Kommunikation und Sponsoring, über nachhaltiges Engagement für eine lebenswerte Heimat.

Fotos: Sascha Kreklau, Jan-Malte Strijek, Süwag

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