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Strahlende Siegerinnen bei Jugend forscht: Anja Armstrong, Seyma Celik und Jennifer Boronowska (v. l.) aus Rüsselsheim.

RECYCLING

Idee mit Tragkraft

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  • 15.09.2023
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Strahlende Siegerinnen bei Jugend forscht: Anja Armstrong, Seyma Celik und Jennifer Boronowska (v. l.) aus Rüsselsheim.

Mit einer komplett recycelbaren Tragetasche haben sich Anja, Seyma und Jennifer aus Rüsselsheim den Bundessieg bei Jugend forscht gesichert. Ihren Erfolg verdanken sie ihrer Zielstrebigkeit und einer – nicht ganz so geheimen – Zutat.

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Strahlende Siegerinnen bei Jugend forscht: Anja Armstrong, Seyma Celik und Jennifer Boronowska (v. l.) aus Rüsselsheim.

Drei Wochen dauert es, bis ihre Idee sich in nichts auflöst. Und das ist so gewollt: Die Tragetasche, die Anja Armstrong, Seyma Celik und Jennifer Boronowska gemeinsam entwickelt haben, soll sich in dieser Zeit auf dem Kompost komplett zersetzen. Da sie ausschließlich aus natürlichen Materialien gefertigt ist und kein Papier enthält, ist das eine gute Sache für unsere Umwelt. So gut, dass die drei Schülerinnen mit ihrem Projekt einen Bundessieg bei Jugend forscht errungen haben.

Die Entwicklung der Sieger-Tüten dauerte etwas länger als ihre Kompostierung: Gut ein Jahr lang haben die drei daran geforscht. Für ihr Projekt stellte die Gustav-Heinemann-Schule in Rüsselsheim ihren Schülerinnen nicht nur das Chemielabor zur Verfügung, es gab auch ausreichend Zeit zum Forschen. „Wir bekamen Projekttage, die wir ganz der Entwicklung widmen konnten“, sagt Anja Armstrong. „Sonst hätten wir es nicht geschafft, die Taschen so weit zu optimieren.“ Eine anfängliche Idee, eine kompostierbare Alternative zu Plastik herzustellen, reifte in der Schülerinnen-AG immer weiter heran. „In einem Vorprojekt ging es erst nur um den Werkstoff“, sagt Jennifer. Ein sogenanntes Biopolymer, das aus Glycerin – also Alkohol –, Essigsäure, Stärke und Wasser besteht. Im Gegensatz zu bisher genutztem sogenanntem Bioplastik sollte sich das Material in der Natur komplett zersetzen und so die Umwelt nicht belasten. „Bioplastik ist zwar kompostierbar, aber nur industriell und nicht auf dem eigenen Kompost im Garten“, erklärt Seyma Celik den Anstoß zu ihrer Forschung. „Es hört sich also gut an, ist aber im Alltag nicht wirklich umweltfreundlich.“

Bioplastik hört sich gut an, ist aber im Alltag nicht wirklich umweltfreundlich.“

Seyma Celik
Preisträgerin Jugend forscht

Bei der Entwicklung des grünen Werkstoffs stellten die drei sich dann die Frage: Was können wir im Alltag damit praktisch anfangen? „Eine Tragetasche als Alternative zu Papier- und Stoffbeuteln fanden wir sinnvoll für die Umwelt“, so Jennifer Boronowska. Denn auch Papiertragetaschen sind nicht wirklich nachhaltig, wenn sie nur einmal verwendet werden. Zu viel Holz und Wasser braucht es für ihre Produktion (siehe Infokasten). Die dickwandigeren Plastiktragetaschen sind im vergangenen Jahr bereits aufgrund der schlechten Ökobilanz verboten worden. Dünne Plastikbeutel sind aber immer noch in fast jeder Obst- und Gemüseabteilung zu finden.

Etwa 44 der sogenannten Hemdchenbeutel nutzen wir hierzulande pro Kopf im Jahr für das Abwiegen von unverpacktem Obst und Gemüse. Nach 20 Minuten landet das Einwegplastik im Schnitt dann schon im Müll – und nur selten in der gelben Tonne.

Hält, was sie verspricht: Die von den Schülerinnen entwickelte Tüte ist sehr reißbeständig. 

Mindestens 14 bis hin zu 42 Kilo kann das Material tragen.

Die Basis für die Einkaufstüte bildet ein nachhaltiges Biopolymer, das das Team im Chemielabor der Schule entwickeln durfte.

Eine weitere entscheidende Zutat: Hanffasern. Sie verstärken die Tüte.

Die Fasern sind genau wie die restlichen Zutaten sehr gut kompostierbar. Zudem bilden sie wertvollen Dünger.

Für die kompostierbare Tragetasche standen nun weitere Tests und eine Optimierung des Materials an. Schließlich müssen die Tüten nicht nur kompostierbar, sondern auch reißbeständig sein, damit die Einkäufe nicht auf dem Heimweg auf dem Boden landen. „Wir haben versucht, das Material mit Latex und Wachs zu verstärken“, erklärt Anja. „Schließlich kamen wir auf die Idee, Hanffasern zu benutzen, da die sehr gut kompostierbar sind und sogar wertvollen Dünger bilden.“

Um den neuen Werkstoff ausgiebig zu testen, holten sich die Schülerinnen Profis zu Hilfe: Mit dem Sachverständigen einer Treppenbaufirma konnten sie ihr Material einem professionellen Belastungstest unterziehen. Das Ergebnis: Mindestens 14 bis hin zu 42 Kilo hält das Material aus. „Da wussten wir, dass wir auf einem richtig guten Weg sind“, sagt Anja. Der Durchbruch war geschafft und damit der Weg frei für die Teilnahme am Wettbewerb Jugend forscht, ein einmaliges Erlebnis für die drei jungen Frauen. Die brachten mit ihrer Teilnahme die Frauenquote auf 41 Prozent – die höchste in der Geschichte des Wettbewerbs und ein positives Zeichen für mehr Gleichstellung und Vielfalt in der Wissenschaft. „Wir haben den Wettbewerb als sehr offen, divers und positiv empfunden“, sagt Seyma. „Von den anderen Teilnehmern und ihren spannenden Projekten konnten wir viel lernen und unsere eigene Arbeit verbessern.“

Für ihre eigenen Zukunftspläne waren der Erfolg und auch der Weg dorthin eine Bestätigung. Seyma und Jennifer könnten sich nach dem Schulabschluss selbst eine Karriere in der Forschung und Entwicklung vorstellen. Anja, die gerade ihr Abitur gemacht hat, wird auf Lehramt studieren und ihre Freude an Mathe und Chemie bald an die nächste Generation weitergeben. Ihre kompostierbare Tragetasche ist bis dahin hoffentlich in jedem Supermarkt zu haben. „Wir suchen jetzt einen Partner, der die Tüten in Serie fertigen kann“, erklärt Jennifer. Um an Kontakte in der Wirtschaft zu kommen, unterstützt die Wirtschaftsförderung der Stadt Rüsselsheim die drei jungen Frauen. Deren Erfolgsgeschichte ist also noch nicht zu Ende erzählt.

Mehr über den Wettbewerb und weitere Preisträger erfahren Sie unter jugend-forscht.de.

Je öfter, desto besser!

Seit 2022 sind dickwandige Plastiktragetüten in Deutschland verboten. Die Stofftasche gilt als das Nonplusultra für nachhaltiges Einkaufen. Ihre Herstellung ist aber im Vergleich aufwendiger, kostet mehr Energie und Ressourcen. Wie häufig sollte man den Jutebeutel also nutzen, damit er umweltfreundlicher ist als die Einweg-Tragetasche aus Plastik oder aus Papier? Der Vergleich unten zeigt: Wer mit seinem Stoffbeutel 132-mal Einkaufen geht, ist im grünen Bereich!

Plastik vermeiden – fünf einfache Tipps für den Alltag

Mehrwegbeutel nutzen: Eine Stofftasche zum Einkaufen findet in jedem Rucksack und jeder Handtasche Platz. So kann man die Plastiktüten an der Kasse ruhig liegen lassen. Richtig nachhaltig wird es aber nur, wenn man die Tasche auch lange nutzt – im Besten Fall hundertmal.

Mit dieser Baumwolltasche aus dem Süwag-Onlineshop tüten Sie Ihre Einkäufe umweltfreundlich ein.

„To stay“ statt „to go“: Der Kaffee-Einwegbecher ist ein echte Umweltsünde. Besser ist es, einfach mal entspannt für einen Kaffee in der Tasse Platz zu nehmen. Wer es eilig hat, nimmt ihn im eigenen Thermobecher mit.

Nachhaltigen Trinkgenuss garantiert zum Beispiel dieser Isolierbecher von WMF.

Gut und günstig: Die gute alte Butterbrotdose ist die nachhaltige Variante für das Essen unterwegs, spart Verpackungsmüll und Geld. Für aufwendigere Menüs gibt es schöne Bento-Boxen mit Trennfächern.

Shoppen Sie zum Beispiel diese Aluminiumbrotdose mit Stapelfunktion.

Schluck für Schluck: Mehrweg ist besser als Einweg – wer das beim schnellen Durstlöschen unterwegs bedenkt, tut der Umwelt schon einen kleinen Gefallen. Besonders nachhaltig ist die eigene Trinkflasche aus Stahl mit frischem Leitungswasser.

Im Süwag-Onlineshop finden Sie zum Beispiel diese Thermosflasche mit Henkel aus rostfreiem Stahl.

Körperpflege ohne Plastik: Seife, Shampoo und Duschpflege gibt es auch ohne Plastikspender und -verpackung. Ebenso sinnvoll sind natürliche Alternativen wie der Loofa-Schwamm fürs Peeling oder die Holz-Zahnbürste.

Diese Stückseife von share ist nicht nur plastikfrei. Mit jedem Kauf spenden Sie ein Hygieneprodukt an einen Menschen in Not.

„Der Blick über den Tellerrand ist wichtig.“

Es begeistert mich, junge Menschen zu sehen, die sich schon früh in die Forschung einbringen – wie unsere Titelheldinnen. Die Schülerinnen haben sich einen praktischen, alltagsnahen Forschungsgegenstand ausgesucht und wollen damit ganz konkret ein Problem unserer Gesellschaft lösen. Gut so! Denn um die sozialökonomischen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen, brauchen wir junge Menschen, die kritische Fragen stellen. Wenn junge Leute bereit sind, an gesellschaftsrelevanten Themen zu forschen und praktikable Lösungen zu entwickeln, sollten wir sie von Anfang an fördern. Die drei Schülerinnen haben gezeigt, dass sie mit ein wenig Unterstützung schon sehr fundiert wissenschaftlich arbeiten und einen wertvollen Beitrag leisten können.

Aus der Wissenschaft für die Praxis lernen
Bei der Süwag versuchen wir, die Vorteile beider Welten zu vereinen – die der Wirtschaft und die der Wissenschaft. Daher bin ich als Referentin für Nachhaltigkeitsstrategie mittendrin bei der Süwag, in den Abteilungen, die täglich für unsere Energieversorgung ihr Bestes geben. Aber ich bin auch als Doktorandin in der Forschung und Lehre tätig. Auf Konferenzen tausche ich mich über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Nachhaltigkeit aus. Dieser Blick über den Tellerrand ist wichtig, um neue Impulse zu bekommen. Anders als im Tagesgeschäft gibt es in der Wissenschaft die Zeit und den Raum, um tiefgreifend über Veränderungen unserer Gesellschaft nachzudenken, Entwicklungen vorherzusehen und proaktiv Lösungen zu entwickeln. Dank meiner Nähe zur Praxis kann ich die Erkenntnisse direkt anwenden. Beispielsweise spreche ich in unserem Nachhaltigkeitsboard meine Empfehlungen für unsere Nachhaltigkeitsziele und -maßnahmen aus. Zugleich trage ich unsere praktische Erfahrung in den Hörsaal und diskutiere mit jungen Köpfen Lösungsansätze für die Herausforderungen, vor denen wir gerade stehen. Durch diesen Austausch können wir noch erfolgreicher unsere Ziele verfolgen: den Klimaschutz vorantreiben, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sowie ein starker Partner für die regionale Wirtschaft sein.

Sie möchten mehr zur Strategie der Süwag für ein nachhaltigeres Morgen erfahren? Daten, Fakten und Statements finden Sie in unserem Nachhaltigkeitsbericht.

Carina Keller
aus der Süwag-Strategieabteilung promoviert im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement.

Fotos: Sascha Kreklau, Süwag, Illustrationen: Eldi D/Shutterstock.com

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